Was passiert mit dem Prinz-Max-Palais in Karlsruhe?

Histor. Foto Prinz-Max-Palais Karlsruhe (C) Stadtarchiv Karlsruhe

Zu den Verkaufsplänen des Prinz-Max-Palais durch die Stadt Karlsruhe

Die Ankündigung, das Prinz-Max-Palais auf eine Veräußerung hin zu prüfen, löst bei in der Fachwelt und bei den Bürgern Entsetzen aus. Die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild fordert Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup deshalb auf, Alternativen zum Verkauf des Prinz-Max-Palais zu finden und sich an zugesagte Sanierungspläne zu halten. Sie wird dabei unterstützt von der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) und dem AK amPuls der Architektenkammer Karlsruhe.

Ein beispielloser politischer Kurswechsel

Das Prinz-Max-Palais in Karlsruhe ist ein ‚gebautes Geschichtsbuch‘, ein demokratischer, öffentlicher Ort im Herzen der Fächerstadt. Noch im Jahr 2021 sprach Kulturbürgermeister Albert Käuflein optimistisch von einer umfassenden Renovierung des Prachtbaus und skizzierte ambitionierte Pläne für den Einzug wichtiger städtischer Einrichtungen wie dem Standesamt. Nur wenige Jahre später, im Juni 2026, ist von diesem politischen Gestaltungswillen nichts mehr übrig: Angesichts eines seit Jahren sehenden Auges in Kauf genommenen Sanierungsstaus von angenommenen 29 Millionen Euro stehen nun Pläne der FDP – Arm in Arm mit dem Oberbürgermeister – für einen kompletten Verkauf im Raum. Das lange Zeit Undenkbare wird plötzlich ganz offen und im Widerspruch zu den eigenen, 2025 gefassten Entschlüssen gedacht.

Dass im Zuge dieser geplanten Aufgabe eines der zentralen historischen Gebäude der Stadt zudem die faktische Abwicklung des dort ansässigen Stadtmuseums droht, verleiht der Debatte eine brisante Symbolik: Es droht der Verlust eines Kernstücks der städtischen Identität durch eine kurzsichtige Fiskalpolitik. „Interessant ist auch die Eile, unter der dies geschieht. Offensichtlich sollen die Verkäufe der historischen Gebäude wasserdicht gemacht werden, ehe die Karlsruher Bevölkerung, der diese Gebäude ja eigentlich gehört, aufwacht und ihrem Unmut Luft macht“, betont Ronald Klein-Knott, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild.

Ein hausgemachtes Problem der Bauunterhaltung

Die aktuelle Haushaltslage ist die Begründung, und natürlich kann einem beim Blick ins Loch des Karlsruher Haushaltes schwindelig werden. Zur Wahrheit gehört aber, dass der Zustand der historischen Gebäude und der notwendige Sanierungsbedarf nichts mit der aktuellen Haushaltslage zu tun haben. Seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten, wird zu wenig Geld in die kommunale Gebäudeunterhaltung gesteckt. Vor allem in die historische Bausubstanz wie Rathaus West, Haus Solms und Prinz-Max-Palais ist schon viel zu lange viel zu wenig Bauunterhalt geflossen – trotz Protest der Benutzer. „Man kann fast den Eindruck gewinnen, dass der Oberbürgermeister diese Gebäude schon vor Jahren stillschweigend abgeschrieben hat. Das Problem ist also hausgemacht, und nun soll es gelöst werden nach dem Motto: dann eben weg mit den alten Klamotten, baukulturelle Bedeutung der Gebäude hin, Denkmalschutz her“, so Klein-Knott.

Der schleichende Ausverkauf städtischer Identität

Für eine vergleichsweise junge Stadt wie Karlsruhe wiegen solche Pläne, identitätsstiftende, Stadt und Bürgerschaft gehörende Gebäude zu verhökern, doppelt schwer. Im Vergleich zu jahrhundertealten Metropolen besitzt Karlsruhe ohnehin nur wenige historisch gewachsene Ankerpunkte im innerstädtischen Bereich. Wenn nun ein Juwel nach dem anderen aus der öffentlichen Nutzung verschwindet, stellt sich eine existentielle Frage nach der Identität der gesamten Stadtgesellschaft. „Eine Stadt ohne ihre öffentlich zugänglichen historischen Fixpunkte degeneriert zu einer austauschbaren Kulisse aus Konsumzonen und privaten Bürokomplexen, wodurch ihr das kollektive Gedächtnis für Ihre Geschichte verloren geht“, mahnt Klein-Knott. „Was hier verloren geht, können keine PR–Aktionen oder Marketing Events der Stadt ersetzen.“

Mit Blick auf das Prinz-Max-Palais wird im ohnehin vernachlässigten Bereich der Innenstadt-West, der heruntergekommenen nördlichen Karlstraße und des zugerümpelten Europaplatzes ein weiterer zentraler Identifikationspunkt aufs Spiel gesetzt. Anstatt ein lebendiges, historisches Quartier zu stärken, entzieht man ihm sehenden Auges das kulturelle Fundament.

Ein unersetzbares Erbe der Demokratie- und Bildungsgeschichte

Die historische Bedeutung des Prinz-Max-Palais lässt sich kaum überschätzen, da es verschiedene Epochen der deutschen Historie miteinander verknüpft. So verkündete der Besitzer und Namensgeber der als liberal geltende letzte badische Erbgroßherzog als letzter Reichskanzler nach dem Ersten Weltkrieg das Ende des Deutschen Kaiserreiches. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangte das Gebäude eine fundamentale rechtsgeschichtliche Bedeutung für die Bundesrepublik Deutschland, als das neu gegründete Bundesverfassungsgericht hier einzog und 18 Jahre blieb. Bis zum Umzug in den heutigen Schlossbezirk im Jahr 1969 wurden im Prinz-Max-Palais die wegweisenden Urteile der jungen deutschen Demokratie gefällt. Das Prinz–Max–Palais ist Grundstein der „Residenz des Rechts“.

Nach dem Auszug der Richter diente dieses vom Denkmalschutz als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ geschützte Gebäude in den 1970er-Jahren temporär als Sitz der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe für Generationen von angehenden Lehrkräften. Ein aufwendiger Umbau machte das Palais 1981 schließlich zum städtischen Kulturzentrum. Es ist Heimat des Stadtmuseums Karlsruhe, der Literarischen Gesellschaft mit dem Literturmuseum sowie der Kinder- und Jugendbibliothek. Es hat sich zu einem offenen Raum der Begegnung, der Bildung und der Erinnerungskultur entwickelt. Genau diese Qualität als öffentlicher Ort steht nun zur Disposition.