Gestürztes Ettlinger Tor erneut gestürzt

1998 schuf der Bildhauer Andreas Helmling, der unter anderem auch die springenden Panther vor dem Naturkundemuseum schuf, eine Großskulptur anlässlich der 150-Jahr-Feier der Badischen Revolution. Die Skulptur am Ettlinger Tor war, finanziert von 40 Unternehmen, ein Geschenk an die Stadt. Die beiden Hälften eines klassizistischen Tores, eine davon umgestürzt, markierten auf postmoderne Weise die ehemalige Stadtgrenze und zitierten das in den 1870er-Jahren abgebrochene Tor. Auf den nach oben reichenden „Gebäudeteilen“ leuchteten so genannte „Lightbeams“ in den Nachthimmel, die sich dort wieder zu einer Torsituation vereinten. Es war also, zumindest nachts, wieder ein Tor zur Stadt geworden.

Lange durfte es dort nicht stehen. Deutlich weniger lang als das historische Ettlinger Tor (1803-1872) durfte das „neue“ Ettlinger Tor vor Ort stehen: Nämlich lediglich 13 Jahre.  2011 wurde es aufgrund der Bauarbeiten für die Kombilösung abgebaut  und an die Kreuzung von Südtangente und Ettlinger Allee versetzt. Hier wirkte es, beengt in einer Fläche neben der Schnellstraßenabfahrt, eher wie zwischengelagert (was man an sich auch zu hoffen wünschte). Nun soll es wohl dauerhaft dort abgestellt bleiben, wie im November 2018 berichtet wurde. Keine Beleuchtung von unten, keine Lightbeams in den Himmel, und vor allem: Keine Torsituation. Man fährt nun also am Stadttor vorbei, oder drum herum. Nun scheint diese Lagerung besiegelt. Mit dem Stromanschluss kommt die Spotbeleuchtung von unten. Was weiterhin fehlt: Die Lage als Tor links und rechts der Straße und vor allem: Die Lightbeams. Und vor allem: Der historische Bezug zum Ort für den es einmal explizit geschaffen wurde, und wo man es, einbezogen in neue Planungen, durchaus hätte wieder errichten können. Aber dies scheint ohnehin nie in Frage gekommen zu sein (Im Gegensatz zu Renderings der Baustellenplanung, die die Arbeit weiterhin am entsprechenden Ort zeigen).

Was auch fehlt: Eine Stellungnahme oder Reaktion der für die Kunst im öffentlichen Raum zuständigen Stellen wie Kulturamt oder Städtischer Galerie.

(Peter Liptau M.A., Fachbeirat Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild e.V.)