„Experimentelles Denkmodell“ zum Kulturdenkmal von Otto Bartning

Franz Rohde Haus Karlsruhe. (c) Otto-Bartning-Archiv der TU Darmstadt
Franz Rohde Haus Karlsruhe. (c) Otto-Bartning-Archiv der TU Darmstadt

Die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild tritt mit Nutzungsüberprüfung zum Franz-Rohde-Haus aktiv für eine denkmal- und stadtbildverträgliche Umnutzung des Bartning-Baus ein.

Experimentelles Denkmodell für ein gemeinschaftsorientiertes Wohnprojekt zeigt Anregungen auf, wie das Kulturdenkmal im Sinne Otto Bartnings mit neuen Ideen und Zukunftsmodellen sinnvoll und wirtschaftlich umgenutzt werden kann.

In die Diskussion um die Zukunft des von Otto Bartning errichteten Franz-Rohde-Hauses in der Karlsruher Weststadt schaltet sich jetzt die „Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild“ ein. Der Verein, der seit 1974 denkmalschutz- und stadtbildrelevante Themen aufgreift und sich immer wieder aktiv in Diskussionen einschaltet, hat bei der BauWohnberatung Karlsruhe, die eng mit dem Deutschen Werkbund zusammenarbeitet, eine „Studie zur Nutzungsüberprüfung für das Franz-Rohde-Haus Karlsruhe“ in Auftrag gegeben. Ziel sei gewesen, so der Vorstand Heinrich Hauß, „ein alternatives Modell und damit denkmalverträgliche und wirtschaftliche Möglichkeit aufzuzeigen, um das Kulturdenkmal von Otto Bartning mitsamt seinem denkmalgeschützten Park unversehrt für die Stadt Karlsruhe zu erhalten.“

In der Diskussion um das Franz Rohde Haus geht es immer wieder um die Frage denkmalverträglicher und wirtschaftlich darstellbarer Umnutzung. Hintergrund ist die Behauptung des Eigentümers, der Evangelischen Stadtmission Karlsruhe, entsprechend einer nicht öffentlich gemachten Wirtschaftlichkeitsdarstellung das Kulturdenkmal nicht weiter wirtschaftlich betreiben zu können und für eine Umnutzung in unzumutbarem Maße belastet zu werden. Eine Behauptung, die 2014 letztlich zur Erteilung der Abrissgenehmigung des einmaligen Bartning-Baus geführt hatte.

Die BauWohnberatung hat nun in ihrer diese Woche veröffentlichten Studie empfohlen, über eine Nutzung als gemeinschaftsorientiertes Wohnprojekt, betrieben in Eigenregie der Bewohnerschaft, nachzudenken, ggf. in Kombination mit einer Pflegewohngemeinschaft. Zufrieden zeigten sich bei der Präsentation dieser Studie die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild darüber, dass mit dieser ersten Idee ein „Versorgungselement skizziert worden sei, das die Zukunft abbildet, und das ein für die Bürgerschaft ausgerichtetes Element für selbstbestimmtes Wohnen im Alter“ darstelle.

Berta Heyl und Alexander Grünenwald von der BauWohnberatung Karlsruhe, die bereits sehr erfolgreiche Projekte dieser Art – mit dem „ZAG – Wohnen am Hofgarten“ u.a. auch in Karlsruhe – realisiert haben, betonten, dass das Franz-Rohde-Haus geradezu ideal für solche visionären Wohnmodelle geeignet sei: „Mit relativ geringfügigen Grundrisseingriffen kann – ohne statische oder denkmalschutzrechtliche Belange negativ zu tangieren –  ein Wohnprojekt mit ca. 12 kleinen bis mittleren/größeren abgeschlossenen Wohnungsgrundrissen realisiert werden. Ein sinnvoller Rückbau in das ursprüngliche Erscheinungsbild des von Otto Bartning entworfenen Hauses mit offenen Loggien, ohne störende Anbauten, wäre möglich und wünschenswert.“

Hauß betonte: „Eine Architekturstadt Karlsruhe und eine Bartning-Stadt Karlsruhe muss sich klar für den unzerstörten und unverbauten Erhalt dieses einmaligen Ensembles eines ihrer berühmtesten Söhne einsetzen, um hier keine Lücke in dessen Schaffen zu reißen.“ Mit der nun vorgelegten Studie, die ein erstes experimentelles Denkmodell für eine Umnutzung des Franz-Rohde-Hauses darstellt, ist es, so die Einschätzung der Fachleute, „nicht nur möglich, ein Kulturdenkmal in seine qualitätsvolle Ursprungsform zurückzuführen, das Gebäude von Otto Bartning bekäme die Chance, durch seine architektonischen Qualitäten und anpassbare Grundrissstruktur 90 Jahre nach seiner Errichtung einer innovative Idee für die Zukunft des Wohnens im demografischen Wandel Raum und Entfaltungsmöglichkeit zu bieten.“

Niemand wird nach dieser Studie zur Nutzungsüberprüfung des Franz-Rohde-Hauses nun noch behaupten können, eine denkmalverträgliche Umnutzung des unversehrten Areals sei wirtschaftlich nicht zumutbar.